Virtuelle Ausstellungen – Top oder Flop?

Vor einiger Zeit habe ich meine Community in LinkedIn gefragt, wie sie zum Thema virtuelle Ausstellungen stehen. Ist das die Zukunft? Ein absolutes NoGo? Oder zumindest aktuell in der Corona-Zeit eine Alternative?

Natürlich ist eine solche Umfrage nicht repräsentativ, gibt aber doch ein gutes Stimmungsbild wieder:

Abstimmungsergebnis

Auch in den Kommentaren gingen die Meinungen weit auseinander. Und auch ich bin hin- und hergerissen. Als Kunsthistoriker bin ich davon überzeugt, dass ein physisches Kunstwerk nur real erlebt werden kann. Aber da das aktuell nicht immer geht, hat die Abstimmung auch meine Einstellung bestätigt, dass Ausstellungen online „schon mal besser als nix“ sind. Nur für 17 % der Abstimmenden war das ein absolutes NoGo.

Einiges spricht aber auch grundsätzlich für Ausstellungen in der virtuellen Realität:

  1. Digital Art: Es gibt ohnehin Kunstwerke, die digital erschaffen sind. Muss man die dann in einem Museumsgebäude sehen oder geht das auch zuhause?
  2. Gemütlichkeit: Gerade wenn man an die Blockbuster-Ausstellungen denkt, bekommt man die einzelnen Werke oft nicht in Ruhe zu sehen.
  3. Unabhängigkeit von Zeit und Raum: Online kann ich mir Ausstellungen und auch Führungen aus der ganzen Welt anschauen und so Werke bewundern, die ich sonst live niemals sehen würde. Oder es gibt mir Anregungen für die nächste Urlaubsreise.
  4. Neukundenakquise: Es spricht auch ein junges, technikaffines Publikum an – die man in den altehrwürdigen Museumsgebäuden vielleicht nicht unbedingt antrifft.
  5. In-Situ-Ansicht mit VR: Wir können mit virtuellen Ausstellungen einen Einblick davon bekommen, wie die Kunstwerke ursprünglich mal gedacht werden. War ein Kunstwerk ursprünglich für einen mittelalterlichen Kirchenbau geschaffen, so ist die Ausstellung im Whitecube einer Galerie oder eines Museumraums auch nicht original. In der virtuellen Realität können wir uns einen Eindruck der ursprünglichen Hängung oder Aufstellung verschaffen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir aus dem Thema „Digitalisierung in Kunst und Kultur“ noch eine Menge herausholen können, ohne das Wesen der Kunst aus den Augen zu verlieren. Ich bin gespannt, was da noch geht!

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